Patrick Broome unterrichtet seit fast zwanzig Jahren Yoga und besuchte im Rahmen des Berliner Yoga Festivals die Hauptstadt. Beim Workshop im Peace Yoga durfte ich dabei sein.

Seit ein paar Wochen begleiten mich Patrick Broomes Worte in den Schlaf. Sein Buch “Mit Yoga Leben” liegt als Nachtlektüre neben meinem Bett und lassen mich die Geschehnisse des Alltags ganz oft bei Seite schieben.

Es ist Samstagmorgen und ich habe die Gelegenheit, Patrick Broome, einen der momentan bekanntesten deutschen Yogalehrer, persönlich zu begegnen und an seinem Workshop bei Peace Yoga Berlin teilzunehmen.

Kurz nach halb elf treffe ich vorm Studio ein, zeitgleich mit fünf weiteren mit Matten bewaffneten Yogis. Dass es voll sein wird habe ich erwartet. Vor der Tür halte ich noch einen kurzen Moment inne und hinterfrage noch einmal meine Absicht, mich tatsächlich gleich solch einer “Massenveranstaltung” hinzugeben. Bisher habe ich Veranstaltungen, die mit dem gleichzeitigen Bewegen vieler Menschen zu tun haben, vermieden. Körperkontakt zu wildfremden Menschen sind mir ein Graus. Doch ich bin fest entschlossen und betrete das wunderschöne Peace Yoga.

Nachdem ich mich angemeldet habe (gebucht habe ich bereits vor Wochen online – die begrenzten Plätze waren recht schnell vergeben), bin ich gleich mit Sack und Pack zum Kursraum gestiefelt. Ich bin heilfroh noch einen Platz am Rand direkt an der Tür ergattern zu können.

Der Raum liegt bereits voller Matten. Moritz, einer der beiden Inhaber des Studios, weist die Yogis ein, zeigt ihnen, wo sie noch Matten ausrollen können. Es wird voller und voller. Matten werden geschoben, nach links, nach recht, vor und zurück. Am Ende bleibt zwischen den einzelnen Matten kein Fingerbreit mehr übrig.

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Peace Yoga Berlin – Patrick Broome Workshop – der Raum füllt sich

Kurz vor elf. Patrick Broome hat sich ebenfalls im Raum eingefunden, steht ganz vorn beim Yoga-Altar. Lässig gekleidet in locker sitzender Sporthose und einem weißen “Peaceful Warrior” T-Shirt wechselt er noch ein paar Worte mit ihm scheinbar bekannten Yogis. Ich zähle sieben Reihen mit jeweils neun Matten. Ich bin mir ziemlich sicher, hier nach hinten in meine vorletzte Reihe wird er es nie schaffen bei den dicht nebeneinander liegenden Matten.

Die Tür schließt hinter mir, jede Matte ist besetzt. Patrick nimmt vorn beim Altar hinter dem Harmonium Platz und stimmt uns begleitet von dem hölzernen Kasten mit dreimal “Om” ein.

Die ersten noch sanften Asanas lassen vermuten, was uns hier erwartet. Keine abgehoben wilden Verrenkungen. Sein Fokus ist das Element Wasser. Er lässt es fließen – in jeder Hinsicht. Zuerst fließen wir durch Ashtanga Sonnengrüße, dann noch kraftvoller und dynamischer durch Jivamukti Sonnengrüße. Mit kraftvoller und dennoch unaufgeregter Stimme zu mitreißender und lauter Musik lässt uns Patrick Broome beinahe wie auf Wellen durch die Sonnengrüße surfen. Spätestens jetzt fließt bei allen auch der Schweiß, was er so kommentiert:  “Lasst es tropfen. In jedem Tropfen Wasser stecken Informationen, die wir damit rausfließen lassen und Platz für Neues schaffen”.

Patrick schafft es tatsächlich, unglaublich präsent im Raum zu sein und die Gruppe zu halten – selbst hinten in meiner vorletzten Reihe. Er wandert zwischen den Matten umher oder vielmehr darüber hinweg und dank seines klaren Anleitens muss ich nur sehr selten den Blick über meinen Mattenrand hinweg wenden.

Nach einigen klassischen und hüftöffnenden Standhaltungen lassen wir uns zu Boden sinken. Hier treffen weitere Hüftöffner auf lang gehaltene Vorbeugen. Es geht im wahrsten Sinne des Yogas in die Tiefe: “Zieht Euch mit der Aufmerksamkeit zurück, dort nach hinten, wo es richtig dunkel ist im Kopf und lasst geschehen, was da passiert. Versucht nicht, es zu verstehen, das werdet Ihr sowieso nicht. Das was da hoch kommt, wollt Ihr gar nicht nochmal bewusst erleben”. Hier und da höre ich leises Lachen bei dem einen oder anderen Spruch, dann wieder ein angestrengtes Seufzen.

In der nächsten Vorbeuge lässt er uns gedanklich mit unseren tiefsten Träumen und Sehnsüchten verbinden und erzählt von einem Zitat, welches er selbst erst kürzlich zu hören bekam: “Wenn Deine Träume Dir keine Angst machen, dann sind sie nicht groß genug!”.

Es folgen noch eins, zwei Twists, eine sanfte Rückbeuge und dann die wohl verdiente Endenspannung. Er lässt uns “tief unter die Oberfläche” sinken. Dann bittet er uns: “Erinner Dich an einen Moment in Deiner Kindheit, an dem Du Dich so richtig geborgen gefühlt hast…” Bei knapp 70 Yogis im Raum für den einen oder anderen sicher ein heikles Thema. Der Workshop endet mit dem gemeinsamen Singen eines Mantras, dreimal Om und Shanti. Langsam erheben sich die ersten Workshopteilnehmer von ihrer Matte. Ganz aus der Mitte taucht eine junge Frau tränenüberströmt und noch ganz mitgenommen aus der Menge auf und verlässt den Raum. Vielleicht hätte ihr das Erinnern an einen beliebigen geborgenen Moment besser getan.

Dieser Workshop ist in jeder Hinsicht bewegend und wird sicher noch einen Moment nachwirken. Der Wellengang im Geist hat sich beruhigt, die Bewegungen sind synchron mit dem Atem geflossen, viel Flüssigkeit mit etlichen Informationen hat den Körper verlassen und Platz für Neues geschaffen und hier oder da ist sicher auch der ein oder andere Damm gebrochen und hat alles wieder leichter fließen lassen.

Diesen Workshop trotz meiner intensiven Yoga-Ausbildungs-Intensivwoche zu besuchen, hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Peace Yoga Berlin - Warten auf Patrick Broome

Peace Yoga Berlin – Warten auf Patrick Broome

Infos zu Patrick Broome und seinen zwei Yogastudios in München findest Du hier: http://www.patrickbroome.de/

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